Streiflichter Nr..238 vom 9.5.2014

(1) Nudefest 2014

Im Streiflicht Nr.226.1 vom 28.01.2014 kündigte ich ein Treffen der schottischen Naturisten an. Die „British Naturism (BN)“ bzw. deren „Scottisch And North East Region (SANER)“ hatte für die Zeit vom 25.April-27.April 2014 das Glenmorag Hotel in Dunoon angemietet, wo sich dann auch über 100 Nackte trafen, um gemeinsam ein Wochenende zu gestalten.

Dies geschah heuer im zweiten Jahr.
Wie zu erfahren war, soll etwas ähnliches auch im nächsten Jahr wieder ( dann zum dritten Mal) organisiert werden, womit die Naturisten dort schon fast eine neue schottische Tradition begründen. Aktuell liegt bei ihnen jetzt erst einmal eine nackte Tour auf einem "Ausflugsschiff" an, die sie für die (nun auch in Schottland kommende) wärmere Jahreszeit planen.

Aber darüber will ich hier jetzt nicht notieren.

Vielmehr erscheint mir ein zeitgleich im Südosten Englands erstmals im Grosvenor Hotel von Torquay veranstaltetes BN-Treffen bezüglich der langfristigen Perspektive wichtiger gewesen zu sein. Nicht nur, weil dort eine der diesjährigen 50-Jahresfeiern der BN anstand, sondern auch, weil dort viele wichtige Details dieses Jahres und der kommenden Jahre festgezurrt wurden.

Hier ein Bild von diesem BN-Treffen in Torquay,


https://fbcdn-sphotos-f-a.akamaihd.net/hphotos-ak-frc3/t31.0-8/p720x720/10298228_10152789958648102_2047670578855247276_o.jpg

das in der Mitte übrigens die Violinistin Rachel Wieck zeigt, die hier bei mir in den Streiflichtern – immer auf der Suche nach Talenten – auch schon mehrfach vorkam.

Last uns einen ersten Blick auf die Ergebnisse werfen :

Für die Woche vom 06.07.2014 bis zum 14.07.2014 wird die BN – inzwischen geübt in diesen Dingen – den im Südwesten England gelegenen Campingplatz „Newperran Holiday Park“ wieder einmal zu einem temporären Naturisten-Campingplatz machen und dort das „Nudefest 2014“ veranstalten, zu dem ausdrücklich auch Nichtmitglieder eingeladen sind.

Nicht nur in dieser Hinsicht ist das „Nudefest 2014“ mit der „Mee(h)r Erleben“-Woche am Rosenfelder Strand vergleichbar.

Einen Überblick zu dem (bisher allerdings nur vorläufigen) Programm gibt :

http://www.bn.org.uk/activities/big_days_out.php/_/upcoming-events/nudefest-2014-r13

und das am Ende des vorstehend verlinkten Files angegebene *.pdf-file.

Zu den britischen Nudefesten ist in den Streiflichtern schon viel geschrieben worden, so dass ich hier – quasi als Vorschau für das jahr 2014 – nur ein vor etlicher Zeit entstandenes Foto vom Besuch des „Blue Reef Aquariums“ in Newquay zitieren will :


http://www.bn.org.uk/community/ccs_files/images/general/activities_bdo.jpg


(2) „Cabane à sucre“

„Cabane à sucre“ - darunter verstehen die Kanadier kleine Hütten, welche oft inmitten von Ahorn-Bäumen errichtet sind, die die Hauptquelle für süßen Ahorn-Sirup bilden. Heutzutage werden diese Hütten auch für Gastwirtschaften genutzt, die dann – der Tradition folgend – bevorzugt süße und daher in der Regel auch kalorienreiche Speisen anbieten.

In der Region Quebec sucht man traditionell im Frühling diese Gastwirtschaften auf, um sich vom, im vorhergehenden Herbst geernteten Ahorn-Sirup das Leben versüßen zu lassen.

So auch unsere Freunde in der „Fédération québécoise de naturisme (FQN)“, Mitglied im Verband der Kanadischen Naturisten (FCN) - und damit auch in der INF/FNI, die vor einigen Wochen zu einem solchen Treffen einluden, für das mit diesem


http://www.fqn.qc.ca/wpimages/wpf2eb55df_05_06.jpg

und diesem Bild geworben wurde :


http://i58.servimg.com/u/f58/16/05/53/71/cabane10.jpg

Es waren – wie auch schon im Jahr zuvor – neben den Mitgliedern auch deren Freunde und alle anderen ernsthaft Interessierten zu dem nackten Essen eingeladen.

Unter der Voraussetzung, dass sich die Teilnehmenden rechtzeitig anmeldeten und ihre eigenen Handtücher als Sitzkissen mitbrachten, wurden in den Altersklassen

der über 30-jährige ca. 13 Euro,
der 18-30-jährigen ca. 10 Euro,
der 13-17-jährigen ca. 5 Euro,
der 6-12-jährigen ca. 4 Euro und
der unter 5-jährigen 0 Euro

für ein wahrlich süßes Mahl berechnet, dessen Kalorien mit einem trickreichen „you know, it's only once a year!” rechnerisch gleichmäßig aufs ganze Jahr verteilt und damit irgendwie kleinargumentiert wurden.

Wiedem auch sei - jedenfalls hat es den Beteiligten Spaß gemacht, was wiederum die Organisatoren gefreut hat, so dass mir die Hauptorganisatorin zusicherte, dass es auch im nächsten Jahr um diese Zeit wieder heißen wird :

„Cabane à sucre“.

Zwischenzeitlich können wir ja – der Kalorien wegen – ein wenig Sport machen.

Nacktsport – versteht sich.

Noch genauer : Nacktwandern.


(3) Nacktwandern – aus der Sicht einer „Anfängerin“

Schon über mehrere Jahre kann ich hier immer wieder über die von Jean Paul Guido organisierten Nacktwanderungen berichten, die er in seiner Eigenschaft als Vorsitzender der „Les Randonneurs Nus de Provence“ im Raum Var erfolgreich organisiert.

In immer neuen Variationen :

Das Angebot reicht von sportlichen, durchaus auch anspruchsvollen Bergtouren bis zu kindgerechten Ausflügen.

Für alle Veranstaltungen aber gilt:
Es sind auch „Anfänger“ willkommen.

Von solch einer Nacktwanderung am Samstag, den 19.April, kaum 3 km südlich von Bagnols-en-forêt im Département Var will ich hier nun beispielhaft notieren.

Eine „Anfängerin“ kommt auch darin vor.

Jean Paul – inzwischen dort für seine Nacktwanderaktivitäten bekannt wie ein bunter Hund – traf sie wenige Wochen zuvor am FKK-Strand von Saint-Aygulf und schlug ihr im Gespräch vor, doch einmal bei einer der Nacktwanderungen mitzukommen. Da traf es sich gut, dass Marie-Jeanne, so ihr Name, aus dem Ort Saint-Raphaël kommt, der nur rund 15 Km vom (für den 19. April geplanten) Wandergebiet entfernt ist.

Inzwischen liegt mir (und damit uns) ein Bericht von diesem nackten Ausflug vor, der von Marie-Jeanne verfasst ist und aus dem ich hier zitieren will, weil er die Sicht einer zwar informierten, aber zugleich auch noch unerfahrenen Nacktwanderin wiedergibt.

Die Stimmung während der Nacktwanderung lässt sich durch wenige Bilder beschreiben.

Auf steinigem Grund ging es – in Gesprächen vertieft – der wärmenden Sonne entgegen :


http://lesrandonneursnusdeprovence.e-monsite.com/medias/images/p1020049-001.jpg

Gelegentlich gab es auch etwas zu entdecken, wie diesen „Mühlstein“ :


http://lesrandonneursnusdeprovence.e-monsite.com/medias/images/p1020025-001.jpg

Davon gibt es dort mehrere. Sie stellen ein beliebtes, lokales Ausflugsziel dar, das auch in wikipedia dokumentiert ist :


http://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/thumb/d/dc/Meuliere_pierre_du_coucou_03.jpg/403px-Meuliere_pierre_du_coucou_03.jpg

Zwischendurch wurde gerastet, was Gelegenheit gab zu verschiedenen Tauschgeschäften der Art „Tausche einen Schluck Apfelsaft gegen eine Käseschnitte“:


http://lesrandonneursnusdeprovence.e-monsite.com/medias/images/p1020042-001.jpg

Es war ein kurvenreicher, aber mit etwas über 200 Höhenmetern sicherlich nicht all zu anstrengender Weg von rund 12 Km, bei noch nicht ganz sommerlichen Temperaturen.


http://lesrandonneursnusdeprovence.e-monsite.com/medias/images/p1020031-001.jpg

Soweit – so gut.
Viele Nacktwanderungen laufen so ab.
Sozusagen „Nacktwanderstandard“.

Hervorzuheben sind hier die Bemerkungen von Marie-Jeanne, die im Rückblick mehrfach die „Einfachheit“ lobt und sie in einem Atemzug mit der „Natürlichkeit“ nennt. Weiter ist in ihrer Notiz vom „Vergnügen“ die Rede, das ihr der gemeinsame, nackte Kontakt mit der Natur bereitet hat.

Umgeben von freundlichen Menschen, die keine Bedingungen bezüglich zu tragender oder nicht zu tragender Kleidung stellen und keine diesbezüglichen Kommentare abgeben oder gar Rechtfertigungen verlangen, ergab sich eine Atmosphäre der Toleranz, die es Marie-Jeanne leicht machte, ihr Interesse an zukünftigen Veranstaltungen dieser Art auszudrücken.

Schließen möchte ich diese Notiz mit einem Link zu Marie-Jeannes Bericht :

http://lesrandonneursnusdeprovence.e-monsite.com/blog/randonue/randonue-a-bagnols-en-foret.html

Auf der HP des bekanntesten der drei offiziell anerkannten Nacktwandervereine Frankreichs, des besagten „Les Randonneurs Nus de Provence“, der im übrigen auch schon Anerkennung durch die „Fédération Française de Randonnée (FFR)“ erfahren hat, finden sich weitere Beiträge zu den zahlreichen Veranstaltungen :

http://lesrandonneursnusdeprovence.e-monsite.com/blog/


(4) Im Schwimmbad

Umeå ist eine Stadt in Schweden.
Unweit der Küste zum Bottnischen Meerbusen gelegen ist die Stadt mit ihren knapp 80000 Einwohnern und einer seit einem halben Jahrhundert dort bestehenden Universität fast schon von von überregionaler Bedeutung. Man muss sie trotzdem nicht kennen. Auch mir war sie unbekannt – bis vor etlichen Wochen dort etwas geschah, das Aufmerksamkeit verdient und darum hier in einer Notiz erwähnt werden soll.

Fanny Karlsson und Elin West besuchten das dortige Hallenbad (swimhall), das von der Fa. Medley betrieben wird.


http://sverigesradio.se/sida/images/109/3230564_2048_1152.jpg

Vielleicht aus einer Laune heraus, vielleicht aber auch mit „politischer“ Absicht – genau lassen sich die Anfänge der Geschichte von hier aus nicht erkennen – beschlossen die beiden dieses Mal ohne Oberteil (umgangssprachlich: „oben ohne“) in die warmen Fluten zu steigen.

Das ging kaum eine viertel Stunde gut, bis sie vom Personal daraufhin angesprochen wurden. Es hieß, dass das hier doch nicht üblich und auch nicht die Politik des Managements sei.

In Kurz :
Sie wurden vor die Wahl gestellt : Entweder „mit Oberteil“ oder „raus aus dem Hallenbad“.

Die beiden verließen das Bad, beschlossen aber, die Sache nicht auf sich sitzen zu lassen.


http://www.svt.se/nyheter/regionalt/vasterbottensnytt/brudar-vill-bada-med-bara-brost

Eine Unterstützungsgemeinschaft wurde gegründet, die in wenigen Wochen rund 200 Unterschriften zusammenbrachte.

Am Montag, den 23.03.2014, wurde die Liste der Unterschriften in einer langen, teilweise hitzig geführten Diskussion dem Management des Hallenbades übergeben. Ich war nicht dabei, aber Fanny Karlsson berichtet, das als (einziges) Ergebnis dieses Treffens vereinbart wurde, die Sache am darauf folgenden Dienstag dem Vorstand zur Entscheidung vorzulegen.

Immerhin meldete sich in der folgenden, öffentlichen Diskussion die studentische Sportorganisation „IdrottsKlubben Studenterna Umeå (IKSU)“ mit dem unterstützenden Hinweis, dass bei ihnen im Hallenbad schon lange „oben ohne“ möglich sei.

Dann herrschte für etliche Tage Funkstille.

Sagen wir so : Meine Lauscher, die – angesichts meines Alters – noch ganz ordentlich funktionieren, haben zumindest nichts vernommen.

Bis zum Freitag, den 18. April 2014, als die beiden sich mit etlichen, inzwischen gewonnenen Unterstützerinnen ins besagte Medley-Hallenbad begaben, um dort abermals in der von ihnen gewählten Weise ein Bad zu nehmen. Dieses Mal kam sogar die Polizei ins Spiel, die zwar einen Bericht verfasste, aber nicht eingreifen wollte, sondern den Beteiligten dazu riet, die Sache doch lieber unter sich abzumachen.

Dann ging es ganz schnell.

Nur wenige Tage später trat Mattias Jonsson, CEO der Medley, mit der Mitteilung an die Öffentlichkeit, dass es nunmehr auch in der von ihnen betriebenen Schwimmhalle auch für die weiblichen Gäste zulässig sei, auf ein Oberteil zu verzichten. Er wolle jedoch keine Empfehlung aussprechen, sondern das Hallenbad statt dessen lieber aus der politischen Diskussion heraushalten. Immerhin konnte er sich mit Mühe doch ein „vi kommer inte att tvinga någon att bära överdel“ (etwa: „Wir werden niemanden zwingen, ein Oberteil zu tragen“) und ein „Vi vill att ska känna sig välkomna hos oss“ („Wir wollen, dass sich jeder bei uns willkommen fühlt“) abringen.

Das es so einfach sein und so schnell gehen würde hat dann aber sogar Fanny Karlsson erstaunt.

Nun das Schlusslicht, in dem es mir noch einmal um das „Nacktwandern“ gehen soll.

Und um den freundlichen Gruß, der - nach all den über hier immer wieder eingestreuten Hinweisen - längst jedem Nacktwanderer und jeder Nacktwanderin in Fleisch und Blut übergegangen sein sollte :


(5) „Grüß Gott“

Städter werden es nicht auf Anhieb wissen, aber auf dem flachen und auch im hügeligen Land grüßt man sich bei Begegnungen – auch dann, wenn man sich eigentlich nicht näher kennt.

Um so wichtiger ist es, hier darauf hinzuweisen, dass man auch als Nacktwander bzw. Nacktwanderin bei jeder Begegnung einen freundlichen Gruß entrichten sollte.

In den Alpen zum Beispiel ein freundliches „Grüß Gott“, wie es hier eine unserer Nordic-Walking-Nacktwanderinnen demonstriert :


http://3.bp.blogspot.com/-XfQ8-Az0dug/UWgdhAfbr_I/AAAAAAAAGzk/y15SNIxx8FE/s320/gruss.jpg

In der Regel wird dies mit einem „Grüß Gott“, gelegentlich aber auch mit einer anderen Grußformel beantwortet. Diesbezüglich gibt es je nach Landesteil und in den verschiedensten Dialekten die unterschiedlichen Gebräuche.

Von einem „Mein Gott“ habe ich allerdings noch nichts gehört.

Vermutlich ist es die dort in der Gegend gebrauchte Grußformel – aber ich will gerne zugeben, dass ich mich in den Alpen nicht so gut auskenne.

Höchste Zeit – hier nun Schluss zu kommen.

Nicht mit einem „Grüß Gott“
und auch nicht mit einem „Mein Gott“,
sondern mit einem : „Bis die Tage“.


Alle Grüße
michael regenmacher / strothjohann

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