Streiflichter Nr..245 vom 30.7.2014

(1) Nacktradeln in Amsterdam

Zu Beginn möchte ich eine kleine Notiz vom diesjährigen WNBR in Amsterdam einfügen.

Die dort zum sechsten Mal in Folge organisierte Veranstaltung gehört sicherlich nicht zu den größten ihrer Art und hat in den letzten Jahren auch viel Pech mit dem Wetter gehabt, soll aber wegen ihrer strategischen Bedeutung und etlicher spezifischer Merkmale hier besonders hervorgehoben werden.

Der Reihe nach :

In den Vormittagsstunden des 27. Juni 2014 wurde im Amsterdamer TV-Sender AV5 die WNBR für den Folgetag angekündigt. Joop Eggermont, einer der Initiatoren, nutzte die Gelegenheit, in einem Interview einige grundsätzliche Erläuterungen zum WNBR zu geben :


http://www.at5.nl/artikelen/130206/initiatiefnemer-naked-bike-ride

Ich will an dieser Stelle bemerken, dass Joop mir schon vor einiger Zeit auffiel, als er sich im Bereich des Verbandes der niederländischen Naturisten NFN und gestützt durch selbst gemachte Erfahrungen überaus lobend zum Thema Nacktwandern äußerte.


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(Joop Enggermont. Obacht : Joop kommt gleich in diesem Streiflicht noch einmal vor.)

Am Folgetag, Samstag, den 28.06.14, trafen sich dann gegen Mittag die Nacktradelnden im „Park Frankendael“ unweit der „Station Amstel“, wo schon der eine oder andere Reporter rumstand und – mehr oder weniger ungefragt – den Nackten ihre Mikrophon hinhielt :


https://pbs.twimg.com/media/BrOjFIPCYAANOEa.jpg

Noch am selben Abend gingen dann kurze Beiträge über den Amsterdamer TV-Kanal AT5 :


http://youtu.be/YTEto4UM6II

und auch über RTVNH :


http://www.youtube.com/watch?v=V0AarSlC-Yg


http://www.at5.nl/imgcache/8/8d460f435edbbc8d5331f2b28a0db7ef.jpg

(Der Radler vorne rechts kommt mir irgendwie bekannt vor. Es sollte mich wundern, wenn dass nicht Joep ist - ein Teilnehmer an einer meiner Nacktwanderungen. Vermutlich die "Rund um Remagen"-Nacktwanderung. Eigentlich bin ich mir sogar relativ sicher. Aber das ist schon 5 Jahre her.)

Insgesamt hielt sich aber der Foto- und TV-Andrang in vertretbaren Grenzen. Zumindest wenn man ihn mit den großen und auch bekannteren WNBRs vergleicht. Vielleicht beobachten wir im WNBR Amsterdam sogar schon die ersten Anzeichen von „Normalität“.

Jedenfalls ging es vom Startpunkt in Richtung Amstel und dann an deren Ufer in Richtung Innenstadt. Nach der Überquerung der Amstel radelten die Teilnehmenden durch die Stadt. An irgendwelchen Kanälen entlang (fragt mich nicht nach deren Namen).


https://pbs.twimg.com/media/BrPAdi8IIAAG0T2.jpg

Schließlich kamen sie – inzwischen fast schon wieder im Süden von Amsterdam – zum Museumplain, wo sich nicht nur eine größere Zahl von Museen sondern auch ein geeigneter Platz befindet, an dem man eine Pause machen kann. Zur Unterstützung war Jerome Jolibois angereist, der schon einige Zeit die „Cyclonudista“ in Brüssel organisiert, über die hier sicherlich auch bald notiert wird.


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Jerome Jolibois

Am Museumplain unweit des Vodelpark entstand auch diese Erinnerungsfoto :


https://pbs.twimg.com/media/BrQRklbCIAE4VKF.jpg
(Foto: Ewoud Broeksma)

Ich bin in Eile.
Auf zur nächsten Notiz :


(2) Politische Unterstützung für Nacktjogger

Im letzten Streiflicht berichtet ich unter der Nummer 224.4 von einigen Schwierigkeiten im spanischen Almeria. Es ging um ein Nacktverbot, dass bereits zwei Abstimmungsrunden überstanden hatte und nur noch durch die konzertierte Aktion von normalerweise gegnerischen Parteien gestoppt werden konnte.

Am vorletzten Samstag, den 19.07.14, kam es nun zur Nadelprobe.

Mit diesem Plakat


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wurde zu einem Nacktlauf an jenem Samstag eingeladen.

Am Veranstaltungstag :
Nur Sonne.
Viel Sonne.

Man kann auch schreiben:
Es war sehr heiß, als sich die Teilnehmenden am vereinbarten Startpunkt einfanden und die Organisatoren ein wenig über das anstehende Ereignis informierten :


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http://www.ideal.es/noticias/201407/19/media/cortadas/alm-vera--575x323.jpg

Dann tauchte – das musste nach all der Wirrnis in den vorhergehenden Wochen wirklich sein – der Bürgermeister José Carmelo Jorge Blanco höchstpersönlich auf, um in blumigen Worten seine Unterstützung auszudrücken :


http://3.bp.blogspot.com/-FUm-0wYKqh8/U8y3QNq7XGI/AAAAAAAAAfU/gcGUj-9LrX4/s1600/2014-07-19+10.36.34.jpg
(rechts: Bürgermeister José Carmelo Jorge Blanco)

In begleiteten die Mitglieder des Stadtrates :
Catiana Soriano, Belén Carnicer und Juan de la Cruz Belmonte

Luis Pérez, von der „Asociación Vecinal Playa Natural“, nutzte die Gelegenheit, noch einmal zu betonen, dass der Nacktlauf nicht nur allein als sportliches, familienfreundliches Ereignis zu sehen ist, sondern das er auch für die Forderung „nackt im öffentlichen Räumen sein zu können“ stehe.

Als es dann losgeht, machen sich 44 Nackte auf den Weg :


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über den kaum 3,3 Km langen Kurs


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Im Ziel wartet ein erfrischender Wasservorrat :


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Am nächsten Tag berichtet die „Stimme von Almeria“ unter der Überschrift „Carrera festiva por la normalidad en la Vera nudista“ großformatig vom Nacktlauf :


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http://www.lavozdealmeria.es/vernoticia.asp?IdNoticia=64734&IdSeccion=3

und die „Ideal“ zitiert in einem ausführlicheren Beitrag den Bürgermeister mit „Nunca ha habido intención de prohibir esta práctica“ (Es war nie beabsichtigt gewesen, die [naturistische] Praxis zu verbieten) :

http://www.ideal.es/almeria/provincia-almeria/201407/20/carrera-dialogo-tapujos-20140720002145.html

Vergleichbares war in der „El Almeria“ zu lesen :

http://www.elalmeria.es/article/almeria/1818891/reivindican/la/practica/nudismo/calles/y/playas/naturistas/vera.html

Bei so viel Zustimmung ist es nicht verwunderlich, dass sofort mit den Vorbereitungen des „3. Carera Nudista Vera Playa“ begonnen wurde.

Vermutlich mit einem größeren Vorrat an Trinkwasser.

Luis Pérez hätte jetzt geschrieben : Noch größer und noch besser.


(3) Winterliches Nacktbaden in Australien

Vor einem Jahr war es noch eine Zitterpartie. Nicht nur wegen der kühlen Temperaturen, sondern auch wegen allerlei Schwierigkeiten mit den örtlichen Polizeibehörden.

Damals mussten Leigh Carmichael, als verantwortlicher Veranstalter eines Kunstfestivals („Dark MOFO“) im australischen Hobart ein als krönenden Abschluss gedachtes, winterliches Nacktbaden überraschend absagen. Es bedurfte dann aufwendiger, auch durch die örtlichen Politiker unterstützter Eingriffe, die dann aber doch immerhin dazu führten, dass die tasmanische Polizeibehörde (auch durch hilfreiches Einwirken des für die Polizei zuständigen Ministers) ein zuvor ausgesprochenes Verbot zurücknahm und die am Tag zuvor noch verkündete Absage wieder rückgängig gemacht werden konnte.

Bei so viel Verwirrung ist es vielleicht sogar verwunderlich, dass sich dann doch im Bereich der Mündung des Flusses Derwent südöstlich von Hobart bei ca. 2 C Lufttemperatur rund 350 Personen einfanden, um nackt in die mit 12 C vergleichsweise „warmen“ Fluten zu steigen.

Das war vor einem Jahr.

In diesem Jahr fand das - vom dortigen, noch jungen „Museum of Old and Modern Art, MOMA“ organisierte - Kunstfestival in der Zeit vom 12.06-22.06 statt. Nach dem vorjährigen Erfolg war es selbstredend von vornherein klar, dass auch dieses Mal – zur Feier des kürzesten Tages ein winterliches Nacktbaden eingeplant war. Wie ich bemerken darf : Inzwischen ganz ohne Einsprüche der Behörden.

In der Tat fanden sich am 22.06.14 deutlich über 500 Nackte aller Altersstufen und Körperformen am Strand ein, um gemeinsam in den Sonnenaufgang hineinzuschwimmen :


http://i.huffpost.com/gadgets/slideshows/355155/slide_355155_3893451_free.jpg

Das aber ist es noch nicht, was die Nachricht über das winterliche Nacktschwimmen im fernen Australien hier in meine Notizen gehoben hat.

Und auch nicht die „frostigen“ Temperaturen von ca. 6 C.

Damon Thomas, der Bürgermeister („Lord Mayor“) von Hobart, der im Vorjahr – „ein wenig nervös “ - am Nacktschwimmen teilgenommen hat – spricht nach der zweiten Veranstaltung dieser Art davon, dass man das jährliche Nacktbaden langfristig auf das ganze Jahr (also auch auf den australischen Sommer) erweitern sollte.
Für das australische Tasmanien ist allein der Gedanke daran schon fast revolutionär.

Verständlicherweise notiere ich so etwas sehr gerne.

Und lege noch eines der offiziellen Fotos vom Bürgermeister obendrauf :


http://www.thomas4hobartcity.com.au/wp-content/uploads/2014/07/dt_01a.jpg
(Damon Thomas)

Presseberichte :
http://www.dailymail.co.uk/news/article-2665046/Hobart-beach-awash-naked-flesh-500-brave-souls-skinny-dip-freezing-temperatures.html

http://www.huffingtonpost.co.uk/2014/06/23/hobart-beach-winter-solstice-skinny-dip-pictures_n_5521058.html


(4) Runner's World

„Runner's World“ - das ist eine unter den Joggern in den USA vielgelesene Publikation.

Vielleicht sogar meinungsbildend.

Normalerweise finden sich in dem monatlich erscheinenden Magazin Kalender der Laufveranstaltungen, Hinweise zum Training und … Werbung für Sportkleidung, die auf den modebewussten Jogger bzw. Joggerin abzielt. Um Letzteres soll es mir hier jetzt nicht gehen.

Vielmehr hat ein Artikel von Jon Macus mein Interesse geweckt.
Der Titel : „If You Can't Stand the Heat, Try Nude Racing“
(Wenn du die Hitze nicht aushalten kannst, versuche es doch einmal mit Nacktjoggen)

In der zweiten Überschrift heißt es : „Clothing-optional events are increasingly popular“.

Dann wird die Geschichte von Whitney Lasseter erzählt, die an einem 5K-Bare-Dare-Lauf im Caliente Resort in Land O’Lakes, Florida, teilnehmen wollte, sich dann aber doch nicht traue und hinter ihren Auto versteckte.

Gott sei dank ist es nicht dabei geblieben.

In der Tat hat Whitney Lasseter damals hinterher sogar in ihrer Klasse gewonnen und ist inzwischen regelmäßige Teilnehmerin bei Nacktläufen.


http://www.runnersworld.com/sites/default/files/whit_lasseterresize.jpg
Whitney Lasseter

Weil sich immer mehr Jogger trauen, es nackt zu tun, ist die Zahl der in den USA registrierten Nackt-Laufwettläufe nun auf fast 30 gestiegen. Da ist es kein Wunder, dass es inzwischen einen, von der American Association of nude Recreation (AANR) organisierten „Nationalen Wettbewerb“ im Nacktjoggen gibt, in den die Ergebnisse von 5 jährlichen Veranstaltungen in Texas und Oklahoma eingehen.

Nicht unbeachtet sollte auch bleiben, dass immer wieder Jogger zu den Nacktläufen erscheinen, für die das Nacktlaufen eine neue Erfahrung ist.

„It's a great introduction to nudism“ sagt Ashley Beahan von der AANR.

Dem habe ich nichts hinzuzufügen.

Hier der Link zum Artikel:

http://www.runnersworld.com/races/if-you-cant-stand-the-heat-try-nude-racing?cid=social_20140716_27932436


(5) Ein Bild und seine Geschichte

Im Schlusslicht geht es um dieses Bild :


https://fbcdn-sphotos-d-a.akamaihd.net/hphotos-ak-xpf1/t31.0-8/p720x720/10273252_637904079611140_210724686002200163_o.jpg

Es ist am frühen Abend des 5. Mai 2014 entstanden, als Joop Eggermont (links im Bild) in der Radiosendung „De Staat van Stasse“ für das anstehende WNBR in Amsterdam, zu dem ich soeben in diesem Streiflicht notierte, Reklame machte. An diesem Abend ging es im „Radio 2“ um das Thema „Freiheit“, das hier ganz konkret an der „Freiheit, nackt zu sein“ festgemacht wurde.

Mit spielerischen Elementen, denn im Studio wurde eine Art „Nacktdisco“ mit optionalem Bodypainting organisiert. Ein kleiner Ausschnitt der - auch ins Netz übertragenen - Veranstaltung, die unter dem Motto „Vrijer wordt het niet“ stand, ist unter :

http://www.meerwijk.dk/5-mei-slotwoord-de-video/

abrufbar. Der Vollständigkeit halber will ich hier auch noch einen Link zur Radiosendung anfügen, die in voller Länge (ca. 2 Stunden) unter

http://www.npo.nl/de-staat-van-stasse/05-05-2014/POMS_KRO_432774

zur Verfügung steht.

„WNBR“ ... „Nacktdisco“ … Das könnte in eher konservativen Kreisen doch etwas zu reißerisch klingen.

Deshalb will ich hier eine kleine, aber vermutlich nicht unwesentliche Ergänzung machen.

Überraschung :
Joop Eggermont, der (mit anderen) für das WNBR Amsterdam und die Nacktdisco verantwortlich zeichnet, ist im Grunde ein Theologe.

In der Tat hat er vor gut 40 Jahren an der Universität Tilburg Theologie studiert und ist - als ehemaliger Priester - auch jetzt noch sehr tief im Glauben verwurzelt.

Schluss für heute.

Bis die Tage.


Alle Grüße
michael regenmacher / strothjohann

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